Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 24. April 2017

CinemaSpace Abu Dhabi: Programmkino der Extraklasse


Eines der wenigen Dinge, die ich hier in Abu Dhabi vermisse, sind Programmkinos. Denn eine Vielzahl großer, großartiger Multiplexe findet sich in den hiesigen Malls zwar durchaus. Inklusive einer Menge Bollywood-Produktionen sowie natürlich den Krachern aus Hollywood - bevorzugt aus den Genres: laut, kriegerisch, explosiv, Weltuntergangs- und Alien-lastig sowie Horror. Oder aber ... sehr schmalzig.
Was mir persönlich jedoch fehlt, sind die kleineren Produktionen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, welche oft etwas realistischere Themen aufgreifen und die in Europa in den kleineren, unabhängigen Kinosälen gezeigt werden.

                                                                                                                                                                         Bild: Pixabay


Diese "Lücke" zu schließen hat sich in Abu Dhabi ein junger Mann auf die Fahnen geschrieben. Ein wahrer Cineast, der so bescheiden ist, hinter sein "Produkt" (Abu Dhabis einziges Programmkino) zurücktreten und anonym bleiben zu wollen. Nennen wir ihn deshalb einfach Mohammed, denn so heißt hier gefühlt jeder zweite. Seine Eltern stammen aus Indien, er selbst jedoch ist bereits in Abu Dhabi geboren und aufgewachsen.

Diese Filmvorführungen im CinemaSpace Abu Dhabi "leben" nicht zuletzt auch dadurch, dass er jeweils zu Beginn eine kurze Einführung in Dreharbeiten, Handlung und Bedeutung des Streifens gibt - alles im geschliffensten Englisch und mit so viel persönlichem Enthusiasmus vorgetragen, dass man schon allein dadurch neugierig auf den anschließend gezeigten Film wird. Man hat wirklich das Gefühl, bei einem filmkundigen Freund daheim zum Pantoffelkino eingeladen zu sein, der einem gern seine Lieblingsstreifen zeigen möchte.

Gegenwärtig das "Gesicht" von CinemaSpace: Szene aus "Picknick am Valentinstag", 1975


Regelmäßig zwei-, dreimal die Woche lädt er in einen Hörsaal des Museumsdistrikts auf Saadiyat Island ein. Zuvor im Medienviertel der Hauptstadt, im twofour54 beheimatet, bietet der neue Ort nun noch mehr und auch bequemere Sitze.

Was hier über die Leinwand flimmert, sind echte Perlen der Kinogeschichte, denn neben aktuellen Independent-Streifen aus verschiedensten Ländern gibt es immer wieder auch sowohl einst sehr bekannte wie auch eher unentdeckt gebliebene Filme zu sehen.
Genauso weit wie der zeitliche Fächer ist auch die Genrevielfalt gehalten: Vom Monumentalfilm wie den "Zehn Geboten" (1956) über Familienfantasy ("Der Zauberer von Oz", 1939) und Zeichentrick, wie z.B. "Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH" (1982) über alte Western ("Shane") bis zu Zeitgenössischem, wie "Refugiado" (Argentinien 2014), der Suche eines Jungen und seiner Mutter nach einem gewaltfreien Leben. Ebenso gibt es immer wieder Gewinner von Filmfestivals zu sehen, wie "Mustang" um fünf türkische Schwestern, der 2015 in Cannes prämiert und für den Oscar nominiert wurde.

Nicht nur ist das Engagement von Mohammed und denjenigen, die ihn unterstützen  ehrenamtlich, um der Filmfreundesgemeinde von Abu Dhabi regelmäßig hochwertige Kinokost anbieten zu können.
Auch für die Besucher sind diese besonderen Filmabende völlig kostenlos! Nur um vorherige Anmeldung auf der CinemaSpace-Homepage wird gebeten, um die benötigten Plätze seitens des Veranstalters abschätzen zu können. Auf der Seite kann natürlich auch immer das aktuelle und geplante Kinoprogramm eingesehen bzw. der Newsletter abonniert werden. Auch auf Facebook kann man alles zur Information Nötige über CinemaSpace Abu Dhabi finden.


Mittwoch, 19. April 2017

Radiohören in VAE - Einmal um die Welt bitte!


Radiohören ist für die meisten Alltag: Im Radiowecker, beim Duschen, im Auto, beim Kochen oder ... Spannend natürlich immer, sich in die Wellenlängen fremder Orte einzuklinken!

Wobei - jahrelang hatte ich dieser Gewohnheit fast abgeschworen. So interessant es für den Ausländer sein mag, mal in fremde Sendestationen hineinzuhören ... so ermüdend kann es sein, wenn man die fortwährenden Koranrezitationen im saudischen Sender sowieso nicht versteht, in Indien nicht (permanent zumindest) auf Bollywoood-Hits steht und auch die libysche Popmusik mir bei aller Liebe auf Dauer doch zu schmalzig war. (Ich sage nur; *weibliche Kopfstimme*: "HABIIIBIIIII" !!!)

                                                                                                                                                       Bild: Pixabay


In den Vereinigten Arabischen Emiraten hingegen kommt beim Radiohören keine Langeweile auf! Es gibt eine ganze Anzahl englischsprachige Kanäle mit muttersprachlichen Moderatoren, bei denen man sich anfangs auf der Senderskala "verwählt" zu haben glaubt - klingt es doch wie lupenreines amerikanisches Frühstücksradio oder aber eine britische Feierabend-Sendung.

Besonders beliebt sind hier Radio 1: Die neuesten internationalen Chart-Hits sowie House Music-Club-"Feger" - und damit meine ich wirklich die NEUSTEN; wir wussten lange Zeit immer schon Wochen im voraus, was beim nächsten Deutschlandurlaub dann dort als "brandneu" auf den Sendern laufen würde. Außerdem Radio 2: Das ist mehr für die "Oldies" unter uns, spielt man doch dort die ganzen Erfolge der 80-er, 90-er und frühen 2000-er Jahre.

Doch auch Virgin FM ist ein bei den Jüngeren beliebter Sender. Wem Pop und Rock auf die Nerven fallen, kann sie bei Classic FM wieder beruhigen. Dort wird leichte Klassik sowie Jazz gespielt.

Sender in den "Zungen" dieser Welt


Doch die Arabischen Emirate wären nicht die Emirate, wenn sie nicht den Bedürfnissen unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen und Herkunftskulturen Rechnung trügen! Selbstredend gibt es im Land diverse arabischsprachige Sender, deren Programm von rein religiösen Inhalten über lokale Themen und internationaler Berichterstattung auf Arabisch bis hin zu einheimischer Popmusik reichen.

Da die VAE ein Vielvölkerstaat sind, ist die Radio-Landschaft jedoch noch viel, viel bunter! Da finden sich Sender auf Tamil, Hindi, Russich, Urdu, Tagalog, Malayalam und sogar Farsi (obwohl die VAE politisch gesehen kein großer "Freund" des Iran sind, wird doch der hier - zwecks Arbeit oder auch halb im Exil - lebenden Iraner "ihr" Radioprogramm vergönnt).
Die Musikfarben reichen von religiöser über regional-traditionellen bis hin zur jeweils im Lande aktuellen Pop- und Rockmusik.

Meist höre ich die englischsprachige, vertraut klingende Moderation der internationalen Hit-Maschinerie von gestern und heute. Ich will ja beim Autofahren lauthals mitsingen können! (ja, das Fenster bleibt dabei geschlossen ;-) ). 
Doch öfters gelüstet es mich auch nach exotischeren Klängen. Es macht einfach Spaß zu raten, worüber die Sprecher wohl gerade scherzend mögen, beim abendlichen Kochen während des Gemüseschnippelns ein paar Bauchtanz-Bewegungen zu praktizieren oder beim Nudeln Abschrecken in schmachtende Bollywood-Tanzerei auszubrechen. Sieht ja niemand - und falls meine jüngere Tochter hereinkommt, macht sie einfach mit.

Wer jetzt neugierig ist und einmal in diese Vielfalt hineinhören möchte, hat auf dieser Übersicht der Sender wie auch dieser ganz ähnlichen Liste die Qual der Wahl! Fröhliche Horizonterweiterung und viel Spaß!

Mittwoch, 12. April 2017

Fahrradfahren - in der Wüste, auf der FORMEL EINS-Rennstrecke oder in den Dünen

Radrennwettbewerb - hier ein Bild direkt vor der Sheikh Zayed Grand Mosque Abu Dhabi, der "Großen Moschee"

Ich kenne buchstäblich niemanden hier in Abu Dhabi (näher), der oder die in der Freizeit überhaupt keinen Sport treibt. Ob Schwimmen, Joggen, Kraftsport, Kricket oder Karate, ob Fußball, Tanzsport, Tennis, Zumba, Pilates, Bauchtanz, Rugby, Kanu, Joga, Reiten oder Fun-Sport ... hierzulande gibt es wohl kaum eine Sportart, der nicht gefrönt wird - selbst einheimische Eiskunstläuferinnen und eine Eishockeymannschaft unter emiratischer Flagge gibt es!
Yas Marina Circuit: Sonntags und dienstags für alle, mittwochs nur für Frauen
Das hat sicher mehrere Gründe: Zum einen bewegt sich der Mensch hier aufgrund klimatischer Gegebenheiten eher wenig im Alltag draußen - Abu Dhabi und Dubai sind eindeutig für den Autoverkehr geplante Städte. Da die meisten westlichen Expats sehr gut (aus)gebildet sind und sich der gesundheitlichen Gefahren eines vornehmlich zwischen Bürostuhl, Autositz, heimischem Sofa und Barhocker pendelnden Lebensstils bewusst, wird also aktiv etwas gegen diese Gesundheitskiller unternommen. Überdies besteht ein breites Rundumangebot sportlicher Möglichkeiten, so dass jede/r das Passende finden kann.

Auch der Radsport versammelt mittlerweile eine große Anhängergemeinde in den Emiraten. Das Fahren selbst wird nicht langweilig, denn sehr unterschiedliche Orte laden dazu ein, sich in den Rennsattel zu schwingen.

Geher, Jogger und Radfahrer auf getrennten Bahnen


Jedes Jahr im November wird Abu Dhabi zum Mekka für alle Formel 1-Fans, dann versammelt sich am Ring auf Yas Island hier eine internationale Menschenmenge. Das bedeutet: die restlichen elf Monate im Jahr wird die Rennstrecke an und für sich nicht wirklich gebraucht - zumindest nicht ihrer eigentlichen Bestimmung entsprechend. Wäre ja schade um die wunderbar in Schuss gehaltenen, begrünten Anlagen! 
Also steht der Yas Marina Circuit jeden Sonntag und Dienstag ab 18 Uhr der Bevölkerung aller Altersklassen zum Laufen, Gehen oder eben auch Radfahren zur Verfügung - natürlich kostenlos! Egal, ob man nun allein, mit Freunden oder ganz in Familie sporteln will - man muss sich lediglich zuvor für den Zutritt auf dieser Homepage registrieren. Fahrräder und Helme können auch ausgeliehen werden. 

Mittwochs lädt die Strecke alle Frauen Abu Dhabis zum Trainieren ein, die gern "unter sich" bleiben möchten. Allen Triathlon-interessierten Frauen in Abu Dhabi sei darüber hinaus auf Facebook die Gruppe "Tri Belles Abu Dhabi" ans Herz gelegt!

Wer sich über Radlertreffs in Abu Dhabi allgemein informieren möchte, kann das hier gern tun.

Radfahren ist neben Schwimmen und Laufen nur eine Disziplin im Triathlon - hier Teilnehmerinnen aus Abu Dhabi an einem Triathlon 2016 in Dubai. Die "radelnden Damen von Abu Dhabi! findet man im Internet hier.                                   photo by Kate Turney

Radfahren in der Wüste und am Berg


Wer nicht im schicken Formel 1-Ambiente in der Stadt radeln will, sondern lieber in der Natur, kann dies quasi Tag und Nacht ca. 40 km von Abu Dhabi entfernt mitten in der Wüste tun! Auf dem Al Wathba Cycle Track kann man sich entscheiden, ob man 8 km, 16 km, 20 km, 22 km oder 30 km Radfahren mag.
Es gibt Duschkabinen, Schließfächer, einen Fahrradzubehörladen - und nachts ist die Asphaltstrecke per Flutlicht beleuchtet.
 
Beliebt bei Abu Dhabis Radfahrern: die außerhalb der Stadt gelegene Asphaltstrecke Al Wathba in der Wüste

Sehr beliebt bei eher leistungsorientierten Radlern ist die Bergstrecke in Al Ain. Zu dieser Oasenstadt gehört auch eine der höchsten Erhebungen der VAE, nämlich der Dschebel (=Berg) Hafit, der sich 1240 m über seine Umgebung erhebt. Die über viele Kurven gewundene Straße hinauf ist 11,7 km lang - und daher von der Steigung her eine anständige "Herausforderung" für jeden Radfahrer ... (Fotos)


Mehr in Richtung Spaß-Sport geht es, wenn man sich einmal mit dem 'Fat-Bike' die Dünen des "Leeren Viertels" (die Rub Al Khali ist die größte zusammenhängende Wüste der Erde) hinauf- und hinabwagen will. Die extra für das Fahren im Sand konstruierten Räder mit den "fetten" Reifen machen's möglich. Das Luxushotel Qasr Al Sarab Desert Resort by Anantara bietet solche Ausflüge als "Sand-Radfahrer" mit sachkundiger Begleitung an.

Mit dem "Fat Bike" kann man sogar im lockeren Wüstensand radfahren


Wolfi's Bike Shop - Fachmännisches in Dubai


Auch in Dubai gibt es natürlich Radfahrervereine, informieren kann man sich u.a. hier oder hier oder auch hier.
 

Räder gibt es in fast jedem großen Sportausstatter zu kaufen - fachmännische Beratung jedoch und besonders das Flair machen den Besuch in Wolfi's Bike Shop in Dubai unverwechselbar. Der ahnungslose deutsche Besucher dreht garantiert den Kopf, wenn er auf der vielspurigen Sheikh-Zayed-Road den Hochhausstadtteil Jumeirah verlässt und vor sich schon den Burj Khalifa aufragen sieht - und dann, nichtsahnend -, auf einmal dieses so deutsch anmutende Logo am Straßenrand entdeckt! Wolfi Hohmann aus dem Schwarzwald kümmert sich seit fast 15 Jahren darum, dass Radsportler und Freitzeitfahrer das passende Rad finden.

"Institution" für Radsportfreunde in Dubai: Wolfi's Bike Shop!


Mit dem renommierten Flugunternehmen Emirates haben die Radspitzensportler der VAE, ein international besetzes Team namens "UAE Team Emirates", einen starken Sponsor gefunden, der diese Sportart im hiesigen Teil der Welt noch populärer machen soll.


Foto 1: http://www.adsc.ae/en/media-center/press-releases/abu-dhabi-tour-gets-2017-world-tour-status/

Foto 6: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10154274588375780&set=gm.10154972565070781&type=3&theater

Foto 7: https://www.platinum-heritage.com/wp-content/uploads/2015/08/Guide-and-Rider.jpg?id=1517


Montag, 3. April 2017

Mars-Menschen made in UAE

Ich würde es nicht als Luftschloss bezeichnen. Es wird nämlich ein ... Mars-Schloss! 

Hat jemand vergangenes Jahr den Film "Der Marsianer" mit Matt Damon als allein auf dem Mars vergessenen Angehörigen einer Mars-Expedition gesehen? Wirkte jetzt nicht direkt einladend, die karge, beeindruckende, für Wüstenbewohner aber eher "gewohnte" Szenerie mit der lebensfeindlichen Atmosphäre da.

Im Inneren der geplanten Mars-Kolonie

Wenn man den Bildern glaubt, welche jüngst anlässlich der Einweihung des "Mars 2117 Project" der Vereinigten Arabischen Emirate gezeigt wurden, soll es ja in hundert Jahren dort ganz gemütlich für Erdlinge werden, welche den Mars besiedeln wollen.

Die hochfliegenden Pläne wurden vor kurzem bei einem Gipfeltreffen der Regierungen dieser Welt vor Vertretern aus 138 Ländern enthüllt.

Vorausgehen soll der Besiedelung eine Reihe von Forschungen, die sich hauptsächlich um Transport, Energiegewinnung und Nahrungsmittelerzeugung auf dem Mars drehen - warum kommt mir jetzt automatisch eine bestimmte Stelle aus o.g. Film in den Sinn? (Wer ihn kennt, weiß, welche ich meine ... :-)  )

Sheikh Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, Premierminister und Kronprinz von Abu Dhabi, erklärte, dass das kurzfristige Ziel der Initiative sei, die Kapazitäten und Fähigkeiten junger Emiraties zu entwickeln: "Das 'Mars 2117 Projekt' ist ein langfristiges, das anfangs helfen soll, unsere Bildung, die Universitäten und Forschungszentren weiterzuentwickeln und junge Emiraties zu befähigen, alle Disziplinen wisssenschaftlicher Forschung zu besetzen."

Mars-Siedlung



Es ist ein gewaltiger technischer Unterschied, ob der Mensch eine (immer noch bemerkenswerte) mehrtägige Expedition zum Mond hinbekommt - oder aber eine dauerhafte Besiedelung eines fremden Planeten anstrebt!

Der Mann mit dem möglicherweise umfassendsten Wissen zum Thema Mars-Kolonisation ist Elon Musk. Der Erfinder des Tesla-Elektroautos, Initiator von PayPal und Gründer von SpaceX entwickelt gerade eine Rakete, um eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig zum Mars bringen zu können - mit dem Ziel, diesen zu besiedeln. Auch er war auf  genanntem Kongress, um zu den Abgesandten zu sprechen.

SpaceX plant, unterstützt von der NASA, bereits in ca. zwei Jahren unbemannt zum roten Planeten zu starten, wenn Erde und Mars eine günstige Position zueinander haben. Musk erklärte, er würde die erste Crew dann gern 2024 ins All bringen. Ehrlicherweise gab er auch zu bedenken, dass es zur Zeit noch keine Garantie gäbe, solch ein Wagnis mit Sicherheit zu überleben; das würde auch allen Enthusiasten klargemacht, welche sich dafür melden.


Stadt auf dem Mars, Konzept emiratischer Ingenieure


Die VAE verkündeten 2015 eine Mars-Probemission, welche das erste Raumschiff der arabischen Welt zu einer Erkundungsmission des roten Planeten senden will - geplant ist dafür das nicht mehr so ferne Jahr 2021.

Die Pläne für die erste Mars-Kolonie jedenfalls wurden von einem emiratischen Ingenieur-Team gemeinsam mit Wissenschaftlern und Forschern entworfen. Es ist das Konzept für eine Mars-Stadt, welche von Robotern erbaut werden soll. Es umfasst Energiegewinnung, Transport, Nahrungsmittelerzeugung sowie infrastrukturelle Aufgaben.

Wie auch immer - sehen wir das gewaltige Projekt als das, als was es Sheikh Mohammed Bin Zayed ausführte: Einen großartiger Anstoß zur Entwicklung von Forschung auf allen die Raumfahrt berührenden Feldern.


Bilder: Dubai Media Office
 

Montag, 20. März 2017

Warum Expats gerne länger in den VAE verweilen

Dubai bei Nacht - mehr als nur optisch anregend
 
"Dubai bubble", die "Blase Dubai" ist ein oft gebrauchter Begriff, der sich auch auf Abu Dhabi anwenden lässt: Gemeint ist dieses recht einmalige Konglomerat an Sprachen, Nationalitäten, Hautfarben, Herkunftskulturen in einem harmonisch wirkenden Miteinander, das bei hohem Lebensstandard den Firnis des "Schneller, Höher, Weiter" trägt, der insbesondere in Dubai mit regelmäßigen Rekorden aller Art gepflegt wird.

Eine neuerliche Studie von DIFC Wills & Probate Registry (WPR) zeigte, dass 64 % der befragten Expats, die für eine bestimmte Zeitspanne zum Leben und Arbeiten in die Vereinigten Arabischen Emirate kamen, signifikant länger als ursprünglich geplant bleiben. Natürlich zählen darunter auch tausende Syrer; Jemeniten oder Irakis, die einfach froh sind, wenn ihre Visa momentan hier einfach stillschweigend verlängert werden.
Der Großteil der "Bleiber" wird jedoch von Expats gebildet, die problemlos in ihre Heimat heimkehren könnten, sich jedoch einfach an den "bubble lifestyle" gewöhnt haben. So blieben i.d.R. die Befragten drei Jahre länger als vorgesehen. Doch immerhin jeder Zehnte von ihnen lebt bereits über 20 Jahre länger zwischen Wüstendünen, Wolkenkratzern, Wasserparks und ständig neuen Attrationen unter dem (fast) immerblauen emiratischen Himmel! Nicht zu vergessen überdies, dass die persönliche Sicherheit in diesem Land extrem hoch ist.

Emirate: hoher Freizeitwert

Lebensgefühl "Laufen und Springen"


Dass sich so viele angezogen und auch länger wohlfühlen in den VAE, hat sicher mit dieser speziellen Atmosphäre zu tun: Ständig entsteht ein neues Wohnviertel, eine neue Mall, ein neuer Park. Es ist dieses "Vorwärts"-Gefühl, das von einer leichten momentanen Stagnation in einigen wirtschaftlichen Bereichen nicht ausgebremst werden kann.
Mir sagte ein Emirati einmal: "Wir Emiraties sind es gar nicht mehr gewohnt zu gehen, um voranzukommen. Wir können inzwischen nur noch rennen und springen - immer weiter!"

Dem Holpern in der Ölbranche will das Land mit diversen Vorkehrungen begegnen, insbesondere dem Ausbau von Tourismus, Handel und erneuerbaren Energien. Unlängst hieß es aus Regierungskreisen (Kronprinz Hamdan von Dubai), dass "2016 der nicht an den Ölsektor gebunde Außenhandel der VAE 1.276 Billiarden AED erreichte. Die Fluktuationen am Weltmarkt beeinträchtigten nicht die performance in diesem Sektor (...) Handel ist nicht nur wichtig für die wirtschaftliche Diversifizierung, es ist auch ein bedeutender Teil unseres historischen Erbes."



Doch nicht nur in diesen Bereichen geht es voran. Wenn man bedenkt, das das Land noch vor 50 Jahren nicht als solches existierte und die Städte nur aus einigen Häuseransammlungen bestanden, doch heute zu den modernsten der Welt gehören, bewegt sich viel.
Die Regeln rund um den Straßenverkehr sind mittlerweile auf westlichem Niveau (mit drastischen Strafen fürs Übertreten). Und es wird für Verkehrssünder auch keinesfalls leichter. Neulich wurde vermeldet, dass die Dubaier Polizei von der Abteilung Verkehrssicherheit gerade eine neue technische Möglichkeit "ausheckt", um Fahrer mittels eines Radars dingfest zu machen, die ohne Sicherheitsgurt fahren oder aber in irgendeiner Form während des Fahrens mit ihrem Mobiltelefon "beschäftigt" sind. Ein Delikt, dass leider bei aller Gefährlichkeit nur allzu verbreitet in den VAE ist ...

Rechte von Haushaltshilfen werden gestärkt


Ministerien sorgen dafür, dass auch  Arbeitsmigranten aus sogenannten "Drittweltstaaten" hier einklagbare Rechte haben - das gilt nicht nur für Bauarbeiter etc. (ich berichtete); dieser Tage wird ein neues Gesetz verabschiedet, das die Arbeits- und Urlaubszeiten, Lohn und sonstige Grundrechte von Haushaltsangestellten eindeutiger als bisher regelt. Es liegt auf einer Linie mit der International Labour Organisations Convention 189 und der Empfehlung 201 über angemessene Arbeitsbedingungen für Haushaltshilfen.

Was möglicherweise noch weitreichender ist: 2015 wurde vom Präsidenten Sheikh Khalifa ein Anti-Diskriminierungsgesetz für die VAE verabschiedet. Darin ist festgeschrieben, dass jegliche Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft, Rasse, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Kaste verboten sind.

Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet


Insbesondere die Herabwürdigung jeglichen religiösen Glaubens - egal, welches! - und religiös motiverter Hass oder Beleidigung und Herabwürdigung in Wort, Schrift (z.B. soziale Medien) oder Handlung werden gesetzlich verfolgt und bestraft (Geld- und Haftstrafen bis zu zehn Jahren).

Ich frage ich mich manchmal - insbesondere, wenn ich einmal wieder in deutschen Kommentaren zu Medienberichten gelesen habe - warum ausgerechnet HIER so ein Gesetz bekräftigt und unterstrichen wird? Während mir in den sozialen Medien meines Heimatlandes, das diese Dinge längst im Grundgesetz verankert hatte, Beleidigung und Hass auf andere, Andersartige, Andersdenke, anders Betende,.... seit einiger Zeit wie Unrat nur so entgegenquillt, habe ich in fast 5 Jahren meines Lebens in den VAE noch nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise erlebt oder bemerkt, dass hier die Leute aus über 200 Nationen übereinander herziehen, sich vollpöbeln, böse Blicke zuwerfen oder gar tätlich werden - bei so viel geballter "Andersheit" auf den Straßen gäbe es da viele (vorgebliche) Gründe!

Zum besonderen "spirit", der zum Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv beiträgt, müsste man sicherlich auch die oft originellen und realitätsorientierten Aktionen der Regierenden zählen, speziell Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum von Dubai trägt dazu kräftig bei.

So müssen auf seine Initiative hin neuerdings jugendliche Raser, welche auf öffentlichen Straßen gefährliche Motorrad-Stunts vollführen oder sich gar nächtliche Autorennen liefern und damit die Sicherheit aller attakieren, zur "Strafe" - ausgestattet mit orangener Weste - die Gehwege der Metropole reinigen. Die Bilder der Aktion wurden in den sozialen Medien zig-fach geteilt und zustimmend kommentiert

Strafdienst im Zoo für Grausamkeit. https://twitter.com/DXBMediaOffice/status/841985112623456257?ref_src=twsrc%5Etfw
 
Eine andere Zeitungsmeldung erreichte vorige Woche sogar deutsche Medien: Schnell hatte sich im Internet ein grauenvolles Handy-Filmchen verbreitet, das insgesamt drei Männer zeigte, welche eine lebendige, eingesperrte Katze - offensichtlich einem extra darauf scharf gemachten - Rottweilern zum Zerfleischen gaben. Diese Tierquäler wurden innerhalb kurzer Zeit polizeilich dingfest gemacht
Sheikh Mohammed erklärte, dass sie mit diesem "bestialischen Akt grundlegende menschliche Regeln missachtet sowie muslimische Werte verletzt" hätten. Er verfügte, dass sie nun drei Monate lange jeden Tag den Zoo Dubai putzen müssen.

Global Teacher Prize


Sicher tragen solche schnellen und eingängigen Aktionen der Regierung zur Verbundenheit der ständig oder zeitweise hier lebenden Bevölkerung bei. Natürlich gibt es aber auch erfreuliche Anteilnahme anderer Art. Als Beispiel sei genannt, dass gestern die kanadische Lehrerin Maggie Mac Donnell von Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum mit dem auf eine Million US-Dollar dotierten Global Teacher Prize in Dubai geehrt wurde. Die Jury zeichnete die Pädagogin für ihre vorbildliche Arbeit mit Schülern in der kanadischen Arktis aus. Marie-Christine Ghanbari aus dem Münsterland schaffte es als erste Deutsche unter die zehn Finalisten. (Wie, erzählt sie hier im Interview.) Beworben hatten sich mehr als 20.000 Lehrer aus 179 Ländern bei der Varkey Foundation, die jährlich den Preis vergibt.

Maggie MacDonnell mit Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum bei derVerleihung des Global Teacher Prize in Dubai  (Foto: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bild-1139485-1120102.html)

Dubais Herrscher: Spaziergänge in der "Masse"


Klar, solche internationalen Anlässe in die VAE zu holen und o.g. Auftritte diverser Art sind nicht zuletzt für die emiratischen Emire auch medienwirksam und PR-Arbeit im eigenen Interesse. Doch stets fällt einem insbesondere als Nicht-Emirati auf, wie volksnah die "Könige" hierzulande unterwegs sind.

Der 2004 verstobene Staatsgründer, Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, ist ein geradezu legendäres Beispiel dafür. Regelmäßig hört man hier Geschichten von Leuten, die ihm zu Lebzeiten persönlich begegnet sind, weil er eigentlich ständig in seinem Land, unter seinen "Schäfchen" unterwegs war und mit den Menschen ins Gespräch kam.

Auch die heutigen Regierungschefs knüpfen an diese emiratische Tradition an. Wer "Scheich Mo", wie ihn seine Bevölkerung liebevoll nennt, noch nicht selbst in Dubai begegnet ist, kann regelmäßig in den sozialen Medien erleben, wie er "inkognito" (aber natürlich erkennt man ihn überall) in Shopping Malls, auf Festivals, zum Essen mit einigen Verwandten und Freunden in öffentlichen Cafés sich unters Volk mischt (hier ein Clip, wie er in einem vollbesetzes Café an der Dubai Mall Platz nimmt).

Auch der "König" wartet an der Ampel auf Grün


Vor wenigen Tagen machte ein Clip die Runde, wie der Herrscher von Dubai sowie Premieminister und Vizepräsident der VAE zu Fuß mit einigen Emiratis geduldig an einer belebten Ampelkreuzung auf Grün watete (Video hier). Ein Schelm, wer Arges dabei denkt - natürlich auch hier eine geschickt platzierte PR.

Dennoch - interessant fand ich den Kommentar eines Inders darunter, welcher zu bedenken gab: "Wie erfrischend natürlich! Wenn in Indien ein Politiker von A nach B will, sind stundenlang alle Straßen gesperrt!" Das kann ich in Erinnerung an viele, viele Warteminuten - damals, während unserer Jahre in New Delhi - auf polizeilich für "hochrangige Personen" abgesperrten Kreuzungen nur bestätigen ...
By the way ... wie leicht kommt man eigentlich ohne Voranmeldung an hochrangige bundesdeutsche Politiker im täglichen Leben "heran"?

Die VAE feiern jegliche internationalen "großen" Feste


Zum guten Schluss. Was ist es, was es den hiesigen vielen Expats so leicht macht, ihre Verträge verlängern zu wollen  - neben Sonne, Sand, Entertainment und persönlicher Sicherheit? Es gibt einfach ein gutes, ein "willkommenes" Gefühl, wenn im islamischen Land VAE vor Weihnachten überall die Weihnachtsdekorationen, weihnachtliche Märkte und Kulturveranstaltungen sowie Christmetten das entsprechende, von daheim gewohnte "Flair" verbreiten.
Vor Diwali kann sich die hinduistisch geprägte Gast-Bevölkerung über entsprechenden Zierrat in den Malls freuen; großartig und farbenprächtig wird für die fernöstlichen Expats das chinesische neue Jahr begangen!

Hotel Burj al Arab in "irischem" Grün am 17.3. anlässlich des St. Patricks Day

Vorigen Freitag, am 17. März, erstrahlten alle wichtigen Gebäude hierzulande in sattem Wiesengrün - vom Burj al Arab über den Burj Khalifa in Dubai bis hin zum Hotel Yas Viceroy oder dem "Schiefen Turm", dem Capital Gate, in Abu Dhabi.
Wer sich nun vielleicht fragt, warum an diesem Tag alles knallgrün aussah - da er oder sie vielleicht weder mit Irland noch mit den VAE vertraut ist: Ganz einfach. Der 17. März ist St. Patricks Day! Dieser Tag wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren des Heiligen Patrick begangen, und insbesondere von den Iren, als deren Schutzpatron der Heilige gilt. Da Grün die irische Nationalfarbe ist, erstrahlt also für die irischen Landsleute in den VAE an "ihrem" Tag alles in dieser Farbe.
Man bedenke: Es ist der Tag eines katholischen Heiligen, welcher unter den Iren meist mit sehr viel Bier etc. gefeiert wird ... und das mit Einverständnis und Fürsorge des islamischen Gastlandes.

Nicht überall auf dieser Welt fühlt man sich als Ausländer in seiner "Anderartigkeit", mit seinen heimatlichen Bräuchen und Festen so akzeptiert und umsorgt, wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten ... Das macht es logischerweise schwerer, diese zu verlassen.


Sonntag, 5. März 2017

Echt Emiratische Küche


Der weit herumgekommene Tourist von heute weiß das ja: Hummus, Tabbouleh, Fattoush, Baba Ghanoush, Kibbeh und dazu Fladenbrot sind typisch "arabische" = emiratische Gerichte. NICHT!

Es stimmt zwar, dass dies nahöstliche (Vor-)Speisen sind, welche auch auf emiratischen Restaurant-Buffets selten fehlen. Doch weniger, weil sie so genuin emiratisch wären, sondern eher, weil auch andere Beispiele internationaler Küche hierzulande nie weit sind und der Gast diese Gerichte eben ohnehin erwartet.

Seite im emiratischen Kochbuch "Sarareed"


Einige emiratische Küchen-Chefs haben es sich zur "Chefsache" gemacht, die hiesigen Kochtraditionen ihrer Großmütter nicht nur für die Emiratis selbst wieder zu pflegen, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen -  sowie davor zu bewahren, angesichts unzähliger Fastfoodläden wie auch Fünfsternerestaurants globalster Provenienz die einheimische Küche in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die emiratische Küchentraditionen unterscheidet sich teilweise sehr von der benachbarter Regionen in Nahost; näher verwandt sind sie nur mit denen in Saudi-Arabien, Oman und Bahrein. Sie sind dominiert von den Zutaten Fleisch, Fisch, Getreide und Milchprodukten, was auf den unfruchbaren Wüstenboden in weiten Teilen der VAE zurückzuführen ist.
Alte Gerichte umfassen häufig Harees (einem aus gestampftem Getreide mit Fleischstückchen gekochten Brei), Maqluba (einem aus Fleisch, Reis und Gemüsen in einem Topf gekochten Gericht) oder Arseeya (ein Reispudding, der oft Geflügel serviert wird). Zudem gibt es regelmäßig gegrilltes Kamel, Ziege, Hühnchen oder anderes Geflügel. Entscheidend dafür, dass es "emiratisch" schmeckt, sind auch hier die speziellen Gewürzkombinationen.

Die einheimische Küche zu propagieren hat sich u.a. Chef Ali Al Ebdowa vom bekannten "Mezlai"-Restaurant im Hotel Emirates Palace Abu Dhabi verschrieben. Doch auch die gefeierte Chef Khulood Atiq, erste weibliche Küchenchefin der VAE, sowie die emiratische Jungunternehmerin Shaikha Al Kaabi von "Meylas Restaurant" werden stets genannt, wenn es um diese Kulturfacette des Landes geht. Die junge Amna Al Hashemi wiederum hat als erste emiratische Küchenchefin in Dubai ein eigenes Restaurant eröffnet; auf Instagram kann man ihr und ihren Kreationen unter dem gleichnamigen "Mitts and Trays" folgen.

All diese und noch einige andere Kochkünstler sehen sich natürlich nicht ausschließlich als Bewahrer, sondern entwickeln die alten Kochtraditionen auch weiter.

Chef Khulood beispielsweise wurde vor etwa fünf Jahren einmal gebeten, emiratisches "Fingerfood" für einen Anlass zu vorzubereiten. "Nun, emiratisches Essen wird eigentlich niemals auf diese Weise serviert, da es stets in Großportionen für die Großfamilie daherkommt. Doch ich habe mir sieben verschiedene Rezepte ausgedacht, wie man diese Gerichte in der gewünschten Weise präsentieren könnte. Heute habe ich mittlerweile über 300 solcher Rezepte!" (Zitat)

Sonntag, 26. Februar 2017

Frauen in der emiraitischen Politik


Oft werden in den westlichen Ländern - bzw. in den Köpfen dort - die arabischen Golfstaaten alle in den berühmten einen Topf geworfen. Was in der Realität schwierig ist, da sich diese Staaten nicht nur von der politischen Form und Ausrichtung, sondern auch von der regionalen Tradition und ihrer "Übersetzung" ins Heute oft stark unterscheiden.


Weltjüngste Ministerin: Shamma Al Mazrui, 22 Jahre, Jugendministerin der VAE                                  Quelle

So erlebe ich es immer wieder, dass Menschen, die im "Westen" leben, beispielsweise Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate quasi gleichsetzen. Auf den allerersten Blick mag es hingehen: Nachbarländer - Wüste, Islam, Kamele, Erdöl, Männer in Weiß und Frauen in Schwarz.
Damit hören viele Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder auf. Das zeigt sich im täglichen Leben. Während ich z.B. in Saudi-Arabien stets Abahja trug und nicht Autofahren durfte, ziehe ich in den VAE selbstverständlich an, was ich mag (im Bikini ginge ich ja auch in Europa nicht zum Einkauf ...), und Autofahren ist das quasi täglich "Brot" aller Berufstätigen wie auch Eltern hierzulande.

Immerhin hat Saudi-Arabien neuerdings gleich zwei Frauen an der Spitze von Finanzunternehmen: Während Rania Mahmud Naschar nun der Bank Samba vorsteht, ist Investmentbankerin Sarah al-Suhaimi zur Präsidentin des Verwaltungsrats der saudischen Börse ernannt worden. Darüber hinaus ist das Land nach wie vor sehr konservativ geprägt.

In den VAE ziehen immer mehr Frauen in die Berufswelt nicht nur ein (ich berichtete darüber hier schon), sondern teils auch in sehr verantwortungsvollen Positionen. Natürlich geht so ein Wandel nicht von heute auf morgen vor sich. Man erinnere sich daran, dass auch in der Bundesrepublik Deutschland eine Ehefrau bis sage und schreibe 1976 nur mit Erlaubnis ihres Gatten einer Berufstätigkeit nachgehen durfte!

Unlängst trafen sich in Dubai Frauen, aber auch Männer (unter ihnen Sheikh Hamdan, der Kronprinz von Dubai) zu einer Panel-Diskussion der Vereinten Nationen zum "Ecomomic Empowerment of Women" (ökonomische Stärkung von Frauen). Die diskutierten Hauptthemen waren das Bekämpfen von für Frauen nachteiligen Strukturen, die Förderung positiver Beispiele erfolgreicher Frauen in der Gesellschaft, die juristische Absicherung, die Anerkennung von Familien- und Haushaltstätigkeit, eine Veränderung von für Frauen nachteiligen Traditionen in bestimmten Gesellschaftsmilieurs sowie eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Frauenrechten allgemein.


VAE: Jüngste Ministerin der Welt mit 22 Jahren


Vor einem Jahr machte in der internationalen Presse Shamma Al Mazrui als jüngster Ministerin der Welt Schlagzeilen. Die in Abu Dhabi geborene 22-jährige amtiert als Jungendministerin der VAE und eine von insgesamt acht Frauen im 29 Mitglieder umfassenden Kabinett.
Der eine oder die andere mag hier kritisieren, dass sie "ja aus einer vornehmen emiratischen Familie" stammt. Doch ist dies unbedingt ein Garant für Intelligenz, Schaffenskraft oder Erfolg? Ich glaube, in einer bislang sehr wertertraditionellen Gesellschaft wie der hiesigen ist es durchaus von Vorteil, wenn eine junge Frau relativ unabhängig erzogen und durchaus gezielt auf so ein Amt hin ausgebildet wurde.


Shamma Al Mazrui im Gespräch mit Dubais Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktum           Quelle

Es ist ja nun nicht so, dass sie einfach als "Tochter von jemand" ahnungslos an wie auch immer geartete Macht gelangt ist. Shamma Al Mazrui war die erste Rhodes-Stipendiatin der VAE und schloß in Oxford mit dem Master of Public Policy ab. Sie machte eine Internship an der emiratischen Botschaft in Whashington D.C., arbeitete als Analytikerin für die UN und steht dem nationalen Jugendkongress vor.
Sicherlich ist es nicht von Nachteil, wenn ein/e Politiker/in auf "Augenhöhe" mit den von ihm oder ihr vertretenen Personenkreisen verkehrt, und sei es allein schon altersmäßig gesehen. Al Mazrui ist garantiert näher an den Bedürnissen und Wünschen ihrer emiratischen Altersgenossen dran und kann ihnen adäquater in der Landesregierung Gehör verschaffen, als es ein grauhaariger Senior-Politiker je könnte.

Ein CNN-Interview mit der eloquenten Jungministerin kann man hier sehen.

Sonntag, 19. Februar 2017

Schmetterlinge und Fische in Schardscha

Eigentlich hatten wir auch dieses Jahr wieder das "Festival of Lights" im Emirat Schardscha sehen wollen. Leider war genau das Wochenende, als wir hinfuhren, das kälteste und außerdem mit Sandsturm und Regen ungemütlichste dieses Winters ... Deshalb haben wir leider dieses Mal nicht so viel vom Festival gesehen - allerdings versöhnten zwei andere Highlights.
Das Schmetterlingshaus auf Al Noor Island mit futuristischer Architektur.

Der Schmetterlingspavillion auf Al Noor Island in der Lagune


Die 45.470 m² kleine Insel in der Khalid-Lagune, die man über eine Fußgängerbrücke erreicht, ist schon an sich ein Kleinod. Ende 2015 wurde das für 80 Mio Dhs (rd. 22 Mio Eur) kreierte Projekt im Herzen der Hauptstadt Schardscha eingeweiht. Folgt man den ausgewiesenen Pfaden, kann man auf doch relativ engem Raum eine Vielfalt an park- und landschaftsgärtnerischen Ideen erleben, die dennoch nicht gedrängt wirken, sondern Leichtigkeit versprühen. Überall stehen Bäume mit einem roten Schild "I was saved" ("Ich wurde gerettet"), die hier eine neue Heimat gefunde haben und auch bei Sonne die Wege überschatten. 


Blauer Morpho-Falter oder "Himmelsfalter"

Dazwischen: Kunst-, Licht und auch (dezente) Klangskulpturen. Des Nachts wird alles magisch mit gezielten Lichtinstallationen zum Leben erweckt, sogar eine Gräserareal wurde mittels winziger LED-Leuchten zur Anmutung einer Glühwürmchenwiese gemacht. Einheimische, aber auch sonstige tropische, botanisch sehenswerte Pflanzen aller Art machen den Spaziergang überdies zu einem Wissensrundgang. Ein wenig ist man wie verzaubert, wenn man hier eine Weile lustwandelt, verweilt und immer Neues entdeckt!

Höhepunkt des Inselspaziergangs ist für viele der Besuch des Schmetterlingspavillions, dessen außergewöhnliche Architektur schon von weitem den Blick auf sich zieht. Eröffnet wurde das Objekt vor einem Jahr. 
Kokons aller Stadien im Brutschrank



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Unter der futuristischen Gitternetzgestaltung eröffnet sich ein Habitat für 150 bis 200 Schmetterlinge unterschiedlicher Arten. Überall flattert und schwebt es um einen herum in der warmen, feuchten Luft. Besonders auffällig ist der Blaue Morphofalter. Man kann die zarten Tiere beim Rüsseln an Blüten beobachten und auch alle Stadien der Schmetterlingslarven während ihrer Metarmophose in den eigens aufgestellten Brutschränken.

Überall kann man den Faltern beim Nektartrinken zusehen

 

Tauchgang im Trockenen: Aquarium Schardscha


Eine weitere Attraktion für insbesondere Kinder und andere Meerestierliebhaber ist das Nautische Museum, welchem das Aquarium angeschlossen ist. Diese Attraktion gibt es bereits seit 2008. Auf zwei Ebenen 20 Aquarien und Tanks zu besichtigen, die etwa 150 unterschiedlichen Spezies eine neue Heimat geben. Was für unser Auge "exotisch" anmutet, sind dennoch Fische und andere Wasserbewohner, die rings um die Emirate mit ihren Meeren heimisch sind!
Giftig: Der Feuerfisch
An einigen Stellen eröffnet sich ein Blick über das teilweise über beide Stockwerke verbundene Aquarium
 
Doch die Tiere sind nicht nur wie in einem Zoo zu besichtigen. Das Aquarium erklärt auch den Lebensraum Meer an sich, erinnert an die Seefahrer- und Perlentauchertradition der Emirate und weist auf die Gefahren hin, welche heutzutage dem Ökosystem Meer drohen. Daher nennt sich die Einrichtung auch Bildungseinrichtung und wird häufig von Schulklassen aus Schardscha, aber auch von den benachbarten Emiraten für Bildungsausflüge genutzt.


Kleiner Rochen
Gefleckte Muräne, halb in ihrem Loch verborgen
Seepferdchen, im Korallengeäst dümpelnd
Quelle: http://www.e-architect.co.uk/wp-content/uploads/2016/01/butterfly-pavilion-in-sharjah-3d110116-t-2.jpg

Fotos (4) Tanja Döhring

Mittwoch, 8. Februar 2017

Kluge Ampeln auf dem Vormarsch


Uralt-Bonmot: Woran erkenn man nachts einen Deutschen?
 

Er wartet auch früh um vier auf einer völlig menschenleeren Straße an der roten Ampel auf Grün.



Jeder weiß, dass in anderen Ländern die Leute zumeist das Ampellicht in solchen Situationen eher als eine Art "Empfehlung" verstehen und behandeln. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Der Dubai Police zufolge waren unter den 198 Verkehrstoten 2016 nämlich 47 Fußgänger, welche im Straßenverkehr überfahren wurden. Major General Mohammad Saif Al Zafeen von der Dubai Police sagte dazu: "Es gibt einen Anstieg auf Dubais Straßen besonders bezüglich Verkehrstoter durch Überfahren. Die meisten davon passierten mit Arbeitern, welche in Arbeitercamps in der Nähe von  Highways wohnen." Denn die, oft auch aus Regionen stammend, wo es kaum Verkehrsregeln gibt, laufen oft nicht erst bis zur nächsten, sicheren Fußgängerüberführung, sondern springen über die Leitplanken. Sicherere Wege für Fußgänger machen sich also immer mehr nötig.


Auch, um diese traurige Zahl zumindest zu senken hat RTA (Dubai Roads and Transport Authority)
einmal wieder eine technische Neuerung installiert: Die "kluge Ampel" nimmt über Bewegungssensoren im Fußweg Zahl und Richtung von Fußgängern wahr. So eine  "intelligente" Ampel gibt es neuerdings in Dubai an der Al Saada Street, eine Art Pilotprojekt.

Maitha Mohammad Bin Adai, die CEO der Behörde für Straßenverkehr beim RTA, erklärt die Funktionsweise: "Die Ampel erkennt die Bewegung von Fußgängern auf dem Fußweg mittels eingelassener Sensoren, bevor sie die Straße überqueren oder auf der Kreuzung selbst, während sie hinübergehen. Dabei passt die Ampel automatisch die Zeit des Signals an."
Dadurch, so die Behördenchefin, wird ein sicheres Überqueren der größtmöglichen Fußgängerzahl zur gleichen Zeit gewährleistet und somit allen Verkehrsteilnehmern ein hervorragender Service bereitgestellt.


Bislang sind die Ampelanlagen in Dubai mit einem Zeittakt voreingestellt, doch nicht zu allen Tageszeiten trifft das die tatsächlichen Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer. Besonders gefährlich ist, wenn die rote Phase für manche Fußgänger "zu lange" dauere und sie dann bei rollendem Autoverkehr einfach zu überqueren versuchten.

Solche Probleme sollen künftig zunehmend mehr "intelligente Ampeln" auf Dubais Straßen beheben.



Sonntag, 29. Januar 2017

Wenn der rosa Drache tanzt und Hähne ihn umkreisen

Show-Bühne vor der Galleria Mall
Buntes Vielvölkergedränge zum Chinesischen Neujahr in Abu Dhabi

HALT - bleiben Sie da, Sie sind hier schon richtig!

Wer das Bild darüber sieht, wähnt sich jetzt vielleicht gerade im falschen Blog. Ist das nicht der aus der Wüste? Doch, ist er. Aber da die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vielvölkerstaat per excellence ist, geht es eben auch im täglichen Leben seiner Städte eben "bunt" zu. Hier leben über 9 Mio Menschen aus mehr als 200 Nationen zusammen. Immerhin über 80 % der Bewohner des Landes sind dabei Ausländer!

Der Chinesische Neujahrstag fiel dieses Jahr 2017 auf den Neumond am 28. Januar. Nun befinden wir uns also - im zwölfjährigen Zyklus des chinesischen Tierkreiszeichens - im Jahr des Hahnes, genauer gesagt: des Feuer-Hahns, den es nur aller 60 Jahre gibt.

Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien (chinesischer Kulturkreis, Korea, Mongolei, Okinawa, Vietnam, bis 1873 in Japan) zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen (Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen oder Übersee).
Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen.

Ein Baum voller elektrische "Blüten" zauberte Frühlingsstimmung 
Und hier schließt sich der Kreis, warum das Chinesische Neujahr auch in den VAE allerorten, vor allem in den Shopping Malls und Restaurants, mit besonderen Dekorationen und Preisaktionen, aber auch kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen gefeiert wird: Da so viele Menschen fremder Herkunft in Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und den anderen Emiraten der VAE zusammenleben, kommen auch Hundertausende ursprünglich aus fernöstlichen Ländern - über die Hälfte aller Expats hier stammt aus Asien.
Und genauso, wie für die Christen hierzulande im Dezember alles weihnachtlich geschmückt ist und entsprechende öffentliche Veranstaltungen stattfinden, werden den Menschen aus Fernost im Januar Feiern zu "ihren" Neujahr gewidmet.
 
Handy stets griffbereit...
Kärtchen am "Wunschbaum"























Wir haben dieses Mal die Promenade vor der "Galleria Mall" besucht, auf Marya Island mit den vielen Hochhäusern. Dort erhellten abends tausende orangeroter Neujahrs-Lampions das emsige Treiben unter ihnen. Menschen aller Herren Ländern schoben sich an den Ständen mit fernöstlichen Spezialitäten vorbei und kosten natürlich auch alles.

Uns hatten es besonders die unglaublich fluffigen, in vielen Farben und Geschmacksrichtungen erhältlichen Moon cakes, die Mond-Kuchen, angetan. Außerdem hat sich mein persönlicher kulinarischer Horizont noch um "Shave Ice" erweitert: Ein bisschen skeptisch war ich schon, ob "gefrorenes Wasser vom Block" mit etwas Kompott darüber mich umwerfen würde. Aber ich probiere ja gern Unbekanntes. Fazit: Unglaublich! Die Leckerei, die vom alten japanischen Adel stammen soll (allerdings ist das Dessert so ähnlich auch vom römischne Kaiser Nero überliefert) besteht aus Eiskristallen, welche mit einer speziellen Maschine von einem runden Eisblock "rasiert" werden. Sie sind so fein, dass sie wie Schneeflocken auf der Zunge zergehen und längst nicht den Kälteschock dort produzieren, den ich erwartet hatte. Als Topping gibt es mehrere Lagen Früchte der Wahl sowie Sirup. Schmeckt herrlich frisch! 

Eisblock für "Shave Ice" - bald schon sind es süße "Schneeflocken"!

Wer wollte, konnte seinen persönlichen Wunsch für das neue Jahr auf ein rotes Kärtchen schreiben und an den aus rotem Papier bestehenden "Wunschbaum" heften; leider waren die Kärtchen bereits alle, als wir kamen.
Höhepunkt der Veranstaltung an der "Galleria" waren jedoch die aller halben Stunden auf der großen Bühne stattfindenden Shows - natürlich ohne Eintritt. Tanzende Drachen, putzig plüschig und mit riesigen Kulleraugen. Aber auch Karate-Kämpfer (bei dieser eleganten asiatischen Kampfkunst verschwimmen die Grenzen zwischen Kampfsport und Tanz ohnehin fast), eine Ballettreihe stolzer Hühner - äh, Hähne, Reispflückerinnen in traditionellen Gewändern. Oder die eindrucksvollen chinesischen Trommler, deren Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch bemerkenswert war.

Tanzende "Hähne"
Tänzerin in chinesischem Gewand























Dem Jahr des "Feuer-Hahns" wird prophezeit, dass es international sehr "hitzig" und kämpferisch wird. Wenn man sich die aktuelle Politiklage ansieht, könnten die 2000 Jahre alten Weissagungen da durchaus zutreffen.
Und auch im Jahr des Hahns Geborene sollten sich lieber "wappnen", habe ich gelesen. Nun denn, ich selbst wie auch eine unserer Töchter ist "Hahn" (oder: Henne?). Wenn man uns fortan dieses Jahr immer mit etwas Rotem im Outfit antriffen sollte, dann ist klar - das ist lediglich unser persönlicher "Abwehrzauber" gegen Anfeindungen des Lebens aller Art. So zumindest behaupten es die Chinesen. Ich hoffe doch, es bleibt alles im Rahmen.  ;-)

Chinesische Tierkreiszeichen, hier in "niedlich"